Ab 3.6.27: „Ehre dem Sommer“ von Benjamin Tienti

©Illustration Bela Sobottke

In ihrer Virtual Reality fühlt sich die neunjährige Lina frei von eigenen Ängsten und den Ängsten ihres Vaters, bei denen es sich eigentlich immer um Lina dreht. Die analoge Realität ist Sommer in Berlin. Es sind Ferien, doch Lina hockt drinnen. Bis ihr Papa den Stecker zieht: Das Kind muss raus, ins Freibad. Der einzige Ort mit Aufsicht. Pommesbude, Sprungturm, Kaugummi des Grauens, eine ehemalige (fast) Olympiasiegerin und heutige Bademeisterin mit großen Ambitionen für junge Sprungtalente, die heiße Stadt. Overload für Lina. Und dann tritt auch noch Khan auf,  ebenfalls neun Jahre, aber im Gegensatz zu Einzelkind Lina ist er Nummer vier von sieben Geschwistern und im Freibad ganz in seinem Element. Als die anderen Kinder die ängstliche Lina als Auserwählte ernennen, die jährliche Freibadchallenge und die Ehre des Sommers zu gewinnen, sieht Khan plötzlich seine eigene Ehre in Gefahr. Unter den Augen der Bademeisterin die gerade ihren piekfeinen Sprungwettbewerb ins Rollen bringt, beginnt eine Challenge der Kinder voll harter Rivalität und noch härterer Kooperation. Lina entdeckt nicht nur ihre eigene ehrgeizige Seite, sondern auch richtige Offline-Friends. Nur das Orakel (bei Feierabend einfach Timmy) ahnt den Ausgang schon längst.

Regie: Inda Buschmann | Ausstattung: Caroline Stauch | Songtexte: Benjamin Tienti | Dramaturgie: Henriette Festerling, Tobias Diekmann | Theaterpädagogik: Lama Ali, Fabian Schrader | Mit: Katja Hiller, Luis Huayna, Lisa Klabunde, Marius Lamprecht, Johanna Meinhard, Nils Thalmann

studierte Regie an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit 2012 ist sie freischaffende Theaterregisseurin mit Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendtheater und arbeitete u. a. am Deutschen Theater Göttingen, Theater Freiburg und dem Staatstheater Karlsruhe. Sie inszenierte »Der Räuber Hotzenplotz« von Otfried Preußler sowie »Momo« von Michael Ende und zahlreiche Uraufführungen. Neben Theater- und Romantexten konzipiert und inszeniert sie auch Stückentwicklungen. 2024 schloss sie eine Fortbildung in »Creating Dance in Art and Education« an der TanzTangente Berlin ab.

wurde 1981 in Esslingen am Neckar geboren. Seine Eltern sind palästinensischer, tschechischer, algerischer und französischer Abstammung — als Kind gelernt hat er aber nur Deutsch. Seit seinem 17. Lebensjahr veröffentlichte er unter verschiedenen Pseudonymen Kurzgeschichten und Essays in Punkmagazinen. Benjamin lebt in Berlin und ist in der Schulsozialarbeit an einer Grundschule in Neukölln tätig. Neben der Arbeit an der Schule und dem Schreiben spielt Benjamin Drum-Machine in der Indieband »Knutscha Heddin«. Für sein Kinderbuchdebüt »Salon Salami« erhielt er 2018 den deutsch-französischen Jugendliteraturpreis. 2025 war Benjamin nominierter Autor des Berliner Kindertheaterpreises von GRIPS und GASAG.

GRIPS: Die dritte Produktion ist ein Stückauftrag für Menschen ab 8 Jahren an Benjamin Tienti. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was ist sein Auftrag?

Winfried Tobias: „Mit Benjamin hatten wir bereits beim „Berliner Kindertheaterpreis“ sehr gute Erfahrungen gemacht, daraus entstand der Wunsch, die Zusammenarbeit zu vertiefen. Er hat das Ensemble kennengelernt, Gespräche mit der Dramaturgie geführt und sich intensiv mit den Lebensrealitäten unserer Zielgruppe beschäftigt.“

Thomas Keller: „Benjamin ist Schulsozialarbeiter am Campus Rütli, Musiker und Kinder-und Jugendbuchautor. „Ehre dem Sommer“ wird sein erstes langes Theaterstück sein, wir sind sehr überzeugt, dass er das kann, denn seine mehrfach ausgezeichneten Kinderbücher zeichnen sich durch starke, pointierte Dialoge und Situationen aus. Im Mittelpunkt steht die achtjährige Lina, die am liebsten zuhause in ihren virtuellen Welten unterwegs ist, und die von ihrem Vater an den Ort geschickt wird, wo sich im Sommer das geballte Leben abspielt: Ins Freibad. Welche Geschichte sich da entwickeln wird, davon lassen wir uns selbst überraschen, Benjamin wohl auch.“ 

Natalie Driemeyer: „Seine Texte sind lustig, warmherzig, nie belehrend und von tiefer Kenntnis der Lebenswelten. Das mögen wir sehr. Theater darf Spaß machen. Und genau das bringt Benjamin mit.“

Winfried Tobias: „Die Regie von „Ehre dem Sommer“ übernimmt Inda Buschmann – eine Kollegin, mit der das Ensemble und auch wir schon lange zusammenarbeiten wollten. Inda arbeitet bei freien Gruppen ebenso wie an Stadt- und Staatstheatern, inszeniert Stückentwicklungen genauso überzeugend wie literarische Vorlagen oder Weihnachtsmärchen. Dazu hat sie einen ausgeprägten Sinn für Humor, für Tempo und für Ensemblearbeit. Genau das passt sehr gut zu Benjamins Texten.“

Natalie Driemeyer: „Wir suchen ja immer nach Teams, die sich gegenseitig inspirieren und herausfordern. Bei Benjamin und Inda haben wir sehr früh das Gefühl gehabt, dass hier zwei künstlerische Haltungen aufeinandertreffen, die sich hervorragend ergänzen könnten. Deshalb freuen wir uns sehr darauf, diese Zusammenarbeit am GRIPS zu realisieren, die Uraufführung ist am 3. Juni 2027 im GRIPS Hansaplatz.“