Drei Uraufführungen, neue Autor*innen und ein besonderer Fokus auf Kinderstücke
Neben zwei Stückentwicklungen und einem Stückauftrag setzt das GRIPS auf den Ausbau der Nachwuchsförderung von Autor*innen in der kommenden Spielzeit – und benennt zugleich offen die Folgen der Kulturkürzungen: Die vom Senat verordnete Kürzung von 65.000 Euro entspricht rund 20 Prozent des künstlerischen Etats.
Das GRIPS Theater startet mit einer klaren programmatischen Setzung in die zweite Spielzeit unter neuer Leitung: Im Mittelpunkt der Saison 2026/27 stehen neue Stoffe für junges Publikum, sowie die Frage, wie humorvolle Theaterstücke entstehen, die nah an den Lebensrealitäten von Kindern und Jugendlichen sind. Nach der ersten, sehr erfolgreichen Spielzeit des vierköpfigen Leitungsteams, in der das Haus bekannte Stücke mit neuen Regiehandschriften befragt hat, richtet sich der Blick nun auf die Entwicklung eigener Theaterstücke. Geplant sind zwei Stückentwicklungen und ein Stückauftrag, flankiert u.a. von neuen Kooperationen in der Nachwuchsförderung.
„Wir schaffen Räume für neue Stoffe, neue Perspektiven und neue künstlerische Impulse“, so Winfried Tobias. „Theater bleibt für uns eine Werkstatt – ein Ort des Ausprobierens, Weiterentwickelns und Veränderns. Und wir schauen: Welche Themen bewegen die Menschen? Was hören wir aus Schulen und Kitas? Was erleben wir selbst? Und wie können wir Autor*innen unterstützen?.“ Thomas Keller aus dem Leitungsteam ergänzt: „Das GRIPS ist immer dann besonders stark, wenn es neue Perspektiven zulässt. Aus all diesen Impulsen hat sich für uns ganz organisch die Spielzeit 2026/27 u.a. mit einem Schwerpunkt auf Kinderstücken gestaltet.“
Den Auftakt macht am 15. Oktober 2026 im GRIPS Hansaplatz die Uraufführung von „Oh peinlich“ für Menschen ab 5 Jahren, eine Stückentwicklung des feministischen Regiekollektivs “hannsjana” mit dem Ensemble. Eigentlich soll ein Konzert stattfinden, doch die Band hat sich ausgesperrt, so die Grundidee. Stattdessen landet eine Gruppe von Menschen, die lediglich an einer Theaterführung teilgenommen hat, auf der Bühne und muss den Abend retten. “Wir schätzen an ‚hannsjana‘ besonders deren Humor und ihre wunderbare Respektlosigkeit, mit Stoffen umzugehen.” so Thomas Keller. “Diesen Zugriff wollen wir u.a. mit GRIPS-Kinderliedern verbinden.”
Mit „aus|flug“ folgt am 25. Februar 2027 im GRIPS Podewil die Uraufführung einer partizipativen Stückentwicklung des GRIPS-Teams für Kinder ab 3 Jahren. Die Produktion entsteht gemeinsam mit Kita-Kindern, Eltern und Pädagog*innen in Moabit und wird in zwei Fassungen realisiert: als mobile Version für die Bezirke und als Bühnenfassung fürs Repertoire. „Die Produktion knüpft an die Erfahrungen unseres mehrjährigen Partizipationsprojekts „Props gehen raus“ an. Uns interessiert die Frage, wie Theater schon im frühen Kindesalter Räume für Mitbestimmung, Fantasie und gemeinsames Lernen schaffen kann“, so Natalie Driemeyer.
Die dritte Produktion ist ein Stückauftrag an Benjamin Tienti, die Uraufführung von „Ehre dem Sommer“ ist am 3. Juni 2027 im GRIPS Hansaplatz. Im Mittelpunkt steht die achtjährige Lina, die von ihrem Vater gezwungen wird, den Sommer im Freibad zu verbringen, einem für sie verhassten Ort, da zu viel Menschen und zu viel Leben. Benjamin Tienti kennt die Welt der Achtjährigen in Berlin sehr genau, er ist nicht nur Musiker und mehrfach ausgezeichneter Kinder- und Jugendbuchautor, sondern auch Schulsozialarbeiter am Rütli-Campus. An seiner Seite ist die erfahrene Regisseurin Inda Buschmann, die erstmals am GRIPS inszenieren wird. “Wir suchen immer nach Teams, die sich gegenseitig inspirieren und herausfordern. Bei den beiden treffen zwei künstlerische Haltungen aufeinandertreffen, die sich hervorragend ergänzen. Theater darf Spaß machen. Und genau das bringen die beiden mit.”, so Natalie Driemeyer.
Parallel baut das GRIPS seine Nachwuchsförderung für Autor*innen weiter aus. Dahinter steht eine zentrale programmatische Frage: Wie entstehen die Geschichten von morgen – und wie schafft man Bedingungen, unter denen Autor*innen Zeit und Raum haben, sie zu entwickeln?
Die Kooperation mit der Akademie für Kindermedien in Erfurt wird fortgeführt, neu ist die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Szenisches Schreiben der Universität der Künste Berlin. Der seit 2005 gemeinsam mit der GASAG ausgelobte und im gesamten deutschsprachigen Raum anerkannte Berliner Kindertheaterpreis wird weiterentwickelt und künftig als “GRIPS+GASAG Autor:innenpreis” vergeben, die Preisverleihung ist Ende April im Rahmen des Theaterfestivals „Augenblick Mal“.
Auch als politisches Theater schärft das GRIPS sein Profil weiter. Mit Produktionen wie “Ab heute heißt du Sara”, “#diewelle” und “Das Heimatkleid” steht das Haus seit langem für eine klare Haltung gegen Rechtsextremismus und für eine vielfältige Demokratie. Ergänzt wird dieses Repertoire nun um ein Kinderstück zum Thema. Das dokumentarische Puppen- und Objekttheater “Bär. Ein Zeitzeuge erzählt” ist eine Kooperation mit der Schaubude und wird als Gastspiel ab 9. November fest ins Repertoire aufgenommen. Basierend auf den Lebenserinnerungen von Irene Grumach-Shirun, wird kindgerecht für Achtjährige vom Alltag eines jüdischen Kindes während der Nazi-Diktatur erzählt.
Neben den Premieren und der Nachwuchsförderung prägen auch internationale Begegnungen, Feste und Jubiläen die Saison:
- Im Sommer und Herbst 2026 wird es anlässlich des Jubiläums “40 Jahre GRIPS Movement in India” einen intensiven Austausch mit den indischen Kolleg*innen in Pune und in Berlin geben.
- Am 26. September lädt das GRIPS gemeinsam mit seinen Partner-NGOs “Eltern Gegen Rechts” und „Omas Gegen Rechts” zum„Bitte halt mich”-Fest am Hansaplatz und ins GRIPS ein. Geplant ist u.a. eine Kundgebung, ein Familienprogramm, Führungen durchs Haus und ein SingAlong mit GRIPS-Liedern am Abend.
- Zum Ende der Spielzeit steht ein besonderes Jubiläum an: Am 13. Juni 2027 wird GRIPS-Gründer Volker Ludwig 90 Jahre alt.
Unter welchen Bedingungen diese künstlerische Arbeit derzeit stattfindet, macht Geschäftsführerin Jutta Brinkschulte deutlich. Die Kürzung von 65.000 Euro treffe das Haus in einer Situation, in der zugleich Energie-, Wartungs- und Betriebskosten steigen: „Rechnerisch entspricht die Kürzung ungefähr 20 Prozent unseres künstlerischen Etats. Wenn man sich diese Zahl vor Augen führt, wird deutlich, dass das nicht einfach durch ein bisschen Sparen im Alltag aufgefangen werden kann“, so Brinkschulte. „Gute Kunst braucht Verlässlichkeit, Planungssicherheit und faire Arbeitsbedingungen. Deshalb geht es bei den Debatten um Kulturfinanzierung am Ende nicht nur um Zahlen, sondern ganz konkret um die Frage, welche Kunst wir in Zukunft ermöglichen wollen.“
