„Kann man sich ansehen!“

Ihr erster Theaterbesuch im GRIPS mit ihren Schüler*innen war 1996 die Uraufführung von „Das Herz eines Boxers“ von Lutz Hübner. Und jetzt, kurz vor dem Ruhestand, war ihr letzter Besuch die Neuinszenierung von „Das Herz eines Boxers“. Im Interview blickt Lehrerin Susann Zsch. auf drei Jahrzehnte voller besonderer Theaterbesuche, bewegender Begegnungen und unvergesslicher Erinnerungen zurück. Und auch, welche Bedeutung die Stücke im GRIPS für ihr Schüler*innen hatten.

Susann Zsch.: Die Neuinszenierung von Jessica Weisskirchen von „Das Herz eines Boxers“ hat mir und den beiden Kolleginnen, die mich begleitet haben, sehr gut gefallen. Dazu trug auch das Bühnenbild und die sparsamen, aber gut ausgewählten Requisiten, wie die riesige Häkeldecke bei. Bei den fünf Jungen der 9.Klasse kam das Stück unterschiedlich an: drei fanden es gut, wobei die Einschätzung von „kann man sich ansehen“ (was bei diesem Jungen Lob bedeutet) bis „es ist neben „Ab heute heißt du Sara“ das beste Stück, das ich gesehen habe“, reicht. Einem Jungen war es an diesem Tag zu heiß und einer meinte, dass er vieles nicht verstanden habe, was dann aber doch nicht so war, wie sich im Gespräch herausstellte. Alle waren sich aber einig in der Bewunderung für die Schauspieler, die an diesem heißen Tag mächtig schwitzen mussten. Sie meinten auch, dass sie das Stück auf alle Fälle weiterempfehlen können. Vielleicht sollten es sich nicht nur Jugendliche, sondern auch alte Menschen ansehen.

GRIPS: Erinnerst du dich noch an „Das Herz eines Boxers“ von vor 30 Jahren? Was hat sie mit dir oder deinen Schüler*innen gemacht hat?

Susann Zsch.: „Das Herz eines Boxers“ war das erste Theaterstück, dass ich mit Schülern (damals nur Jungen) als Lehrerin mit der „Schule des Lebens“ gesehen haben. Dazu muss man wissen, dass die „Schule des Lebens“ 1994 als Projekt gegründet wurde, um Schulverweigerern die Chance auf einen Schulabschluss zu ermöglichen. Der damalige Leiter und Gründer unserer Schule machte uns auf das GRIPS Theater aufmerksam. Die meisten Jungen waren zuvor noch nie im Theater gewesen und waren demzufolge skeptisch. Was sie dann sahen, hatten sie nicht erwartet. Den Jungen Jojo konnten sie gut verstehen, seine Sprüche fanden sie cool. Auch, dass der Alte kein langweiliger, hilfloser Rentner war, sondern ebenso gegen Regeln verstieß, Teebeutel aus dem Fenster warf und ein Auto klaute, um nach Südfrankreich zu kommen, gefiel ihnen.

Uns Erwachsenen war klar, dass wir hier durch das Theater eine Möglichkeit gefunden hatten, noch einmal ganz anders mit den Jugendlichen über verschiedene Themen ins Gespräch zu kommen.

GRIPS: Du warst auch in den letzten 30 Jahren als GRIPS-Kontaktlehrerin unserem Haus sehr treu. Warum hast du das GRIPS Theater immer wieder besucht? Und gab es vielleicht Highlights, an die du dich erinnerst?

Susann Zsch.: Ja, von diesem ersten Besuch an haben wir versucht, mindestens zweimal im Schuljahr mit unseren Jugendlichen ins Theater zu gehen. Da wir nach einem festen Jahresplan arbeiten, haben wir unsere thematischen Unterrichtswochen entsprechend des Spielplanes gelegt. Das heißt, wenn wir mit unseren Schülerinnen und Schülern ein Stück unbedingt sehen wollten, fand die Deutschwoche mit dem entsprechenden Thema zu der Zeit statt, zu der das entsprechende Stück auf dem Spielplan stand, und wir Karten bekommen hatten. So konnten wir die Jugendlichen auf den Theaterbesuch einstimmen und im Nachhinein uns mit ihnen über das Gesehene austauschen. Ich weiß nicht, wie viele Male ich „Eins auf die Fresse“ oder „Die besseren Wälder“ oder „Alle außer das Einhorn“ mit unseren Schülerinnen und Schülerin gesehen habe. Besonders „Eins auf die Fresse“ fanden die Jugendlichen gut, hier erkannten sie sich wieder. Und ich erinnere mich noch genau, wie am Ende des Stückes, als Lucky den Schulverweis erhalten soll, ein Junge zu mir und meinem Kollegen meinte: „Sagt ihm doch, dass bei uns an der Schule noch ein Platz frei ist!“

Besonders war für mich immer der Besuch von „Ab heute heißt du Sara“, was wir uns fast in jedem Jahr mit unseren Neuntklässlern angesehen haben. Da war für mich im Vorfeld stets die Frage: „Halten das die Jugendlichen die knapp 3,5 Stunden durch?“, schließlich haben wir es mit Hauptschülern mit den verschiedensten Lern- und Aufmerksamkeitsdefiziten zu tun. Sie hielten durch und die meisten sagten am Ende ihrer Schulzeit, dass dieses Stück das beste war, dass sie gesehen hatten.


GRIPS: Wie hat dir und deinen Schüler*innen die Neuinszenierung von „Das Herz eines Boxers“ gefallen? Könnt ihr sie empfehlen? Wer sollte die Inszenierung eurer Meinung nach unbedingt gucken?

Susann Zsch.: Die Neuinszenierung von Jessica Weisskirchen von „Das Herz eines Boxers“ hat mir und den beiden Kolleginnen, die mich begleitet haben, sehr gut gefallen. Dazu trug auch das Bühnenbild und die sparsamen, aber gut ausgewählten Requisiten, wie die riesige Häkeldecke bei. Bei den fünf Jungen der 9.Klasse kam das Stück unterschiedlich an: drei fanden es gut, wobei die Einschätzung von „kann man sich ansehen“ (was bei diesem Jungen Lob bedeutet) bis „es ist neben „Ab heute heißt du Sara“ das beste Stück, das ich gesehen habe“, reicht. Einem Jungen war es an diesem Tag zu heiß und einer meinte, dass er vieles nicht verstanden habe, was dann aber doch nicht so war, wie sich im Gespräch herausstellte. Alle waren sich aber einig in der Bewunderung für die Schauspieler, die an diesem heißen Tag mächtig schwitzen mussten. Sie meinten auch, dass sie das Stück auf alle Fälle weiterempfehlen können. Vielleicht sollten es sich nicht nur Jugendliche, sondern auch alte Menschen ansehen.

Ich möchte mich ganz herzlich beim gesamten Team des GRIPS Theaters bedanken, ihr habt mit euren Stücken vielen unserer Jugendlichen die Kulturform des Theaters nahegebracht, uns schöne Erlebnisse beschert und Anregungen für tolle Unterrichtsgespräche gegeben. Dazu waren auch die Angebote der Theaterpädagogik sehr hilfreich. Macht weiter so!

Ich weiß, dass ich meine Kolleg*innen mit meiner Freude am Theater infizieren konnte, und dass sie bereits Karten für das diese Schuljahr bestellt haben.


Wir bedanken uns herzlich bei Susann Zsch. für die langjährige Verbundenheit mit dem GRIPS Theater, wünschen ihr einen guten Übergang in den Ruhestand – und hoffen natürlich weiterhin, sie regelmäßig im GRIPS begrüßen zu können!

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Der Trailer zum Stück: