„Und jetzt bitte alle auf die Bühne!“

Ein Konzert, eine ausgesperrte Band und eine Gruppe unfreiwilliger Musiker*innen: „oh peinlich“ verbindet bekannte GRIPS-Lieder mit dem eigenwilligen Humor des Performancekollektivs hannsjana. Mit Songs von Christian Giese, Caspar Hachfeld, Birger Heymann, Thomas Keller, George Kranz, Volker Ludwig, Marie Weich und Thomas Zaufke.

Um was gehts?
© Illustration: Bela Sobottke

Eine Stunde noch bis zum Konzert. Die Bühne ist vorbereitet, die Instrumente stehen bereit, das Publikum wird gleich kommen. Alles ganz normal – bis auf die kleine Katastrophe hinter der Bühne: Die Band hat sich ausgesperrt. Ausgerechnet jetzt. Was tun? Zum Glück ist da eine Gruppe von Kindern und Erwachsene, die gerade eine Backstage-Führung macht. Sie kennen die Bühne und die Instrumente – und einige kennen sogar die Songs. Eine Lösung scheint greifbar. Wäre da nicht dieses eine Problem: Niemand möchte auf die Bühne!

Damit beginnt „oh peinlich“, ein musikalisches Abenteuer für Menschen ab fünf über Lampenfieber und Scham, über das Gefühl, plötzlich von allen angesehen zu werden, und über die ziemlich schwierige Frage, was man eigentlich können muss, um dazuzugehören. Muss man laut sein? Muss man sich trauen? Muss man überhaupt? 

Das Performancekollektiv hannsjana interessiert sich nicht für die naheliegende Heldengeschichte. Hier wird niemand einfach „über sich hinauswachsen“, um am Ende selbstbewusst im Scheinwerferlicht zu stehen. Stattdessen geraten die Figuren ins Stolpern, probieren etwas aus, scheitern, helfen einander und entdecken, dass es viele Arten gibt, mutig zu sein. Manchmal bedeutet Mut, auf die Bühne zu gehen. Manchmal bedeutet er, Nein zu sagen. Oder jemand anderem den Vortritt zu lassen.

Dass daraus ein Musiktheaterstück wird, ist kein Zufall. Denn neben den Figuren kommt noch eine weitere Hauptrolle ins Spiel: der GRIPS-Song. Bekannte und weniger bekannte Lieder aus dem musikalischen Fundus des Theaters treffen auf die eigensinnige Arbeitsweise von hannsjana. Lieder, die viele Berliner Kinder und Erwachsene kennen, werden neu betrachtet, neu arrangiert und möglicherweise sogar neu erfunden. Vertrautes darf plötzlich fremd klingen – und vielleicht entdeckt man in einem alten GRIPS-Lied etwas, das man bisher überhört hat. 

Genau darin liegt der besondere Reiz dieser Zusammenarbeit. hannsjana verbindet seit 2011 Performance, Musik, Humor und die Lust daran, Dinge anders zu betrachten. Das feministische Kollektiv arbeitet mit überraschenden Perspektiven, bricht mit Erwartungen und nimmt sein Publikum dabei immer ernst. „Wir wollten unbedingt weiter mit dem feministischen Regiekollektiv „hannsjana“ arbeiten, das 2025 einen der besten und schrägsten Gala-Abende für den „Berliner Kindertheaterpreis“ entwickelt hat“, so Thomas Keller vom GRIPS-Leitungsteam. „An „hannsjana“ schätzen wir besonders deren Humor, ihre wunderbare Respektlosigkeit und das Um-die-Ecke-Denken. Sie haben einen ganz eigenen Zugriff auf Stoffe und Situationen. Und diesen Zugriff wollen wir mit GRIPS-Kinderliedern verbinden, wir sind sehr gespannt, was dabei herauskommt.“ Nun trifft ihr also dieser spielerische und respektloser Zugriff auf die musikalische DNA des GRIPS Theaters. 

Und so könnte aus der kleinen Katastrophe hinter der Bühne am Ende etwas ziemlich Großes werden: eine neue Band, ein gerettetes Konzert – und ein anderer Blick darauf, wer eigentlich im Rampenlicht stehen muss. 

Zu HannsJana 

Als Kollektiv „hannsjana“ erarbeiten Laura Besch, Jule Gorke, Lotte Schüßler, Katharina Siemann und Marie Weich seit 2011 gemeinsam Performances, Audiowalks und performative Vermittlungsformate. Dabei brechen sie mit bestehenden Vorannahmen und nehmen sich humorvoll, poetisch, musikalisch und wissenschaftlich der Auseinandersetzung mit Orten und Themen an, um sie sich selbst und anderen zu erklären. In ihren Arbeiten trifft das Publikum auf Mensch-Tier-Wesen, die zusätzliche Bedeutungsebenen und Diskurse eröffnen; es hört Lieder über Ökonomie oder Ornithologie, wird heimlich zum Essen im Museum angestiftet, bekommt kunsthistorische Exkurse durch Aerobic-Übungen erläutert und die Möglichkeit, Anteilseigner*innen einer Performance zu werden. Ihre Arbeiten waren unter anderem bei Theater Thikwa (Berlin), in den Sophiensælen (Berlin), beim Steirischen Herbst (Graz), beim IMPULSE Festival (Mülheim) und am Luzerner Theater zu sehen.

 

Das Team

Regie „hannsjana“, konkret Katharina Siemann und Marie Weich
Bühne & Kostüm Àngela Ribera Adrover
Bühnenmusiker & Arrangements Ignacio Villa
Dramaturgie Tobias Diekmann
Theaterpädagogik Lama Ali, Henriette Festerling  
Mit Christian Giese, Jens Mondalski, Viktoria Schreiber, Regine Seidler, Ignacio Villa  


Weitere Informationen, Termine und Tickets auf unserer Website!