Nach dem Roman von Eva Rottmann für Menschen ab 14 | Text und Regie von Karsten Dahlem
Worum geht’s?
Als Mats – eigentlich Mathilda – von Berlin aufs Dorf zieht, knallt’s gleich richtig: Erst gerät sie mit Alex, der Klassenkönigin, aneinander, dann trifft sie Milad, den sie im letzten Moment von den Bahngleisen zieht. Doch der wollte sich gar nicht umbringen, sondern suchte einfach nur den Kick. Mats und Milad verlieben sich Hals über Kopf. Doch auch Alex hat ein Auge auf Milad geworfen. Und das örtliche „Komitee besorgter Bürger“ beobachten ihn ohnehin, weil Milad Sohn eines libanesischen Automechaniker ist. Als dann auch noch das Sportheim als Unterkunft für Geflüchtete dienen soll, spitzt sich die Lage im Dorf zu. Das „Komitee“ organisiert Proteste, rechte Töne werden lauter. Auch Mats und Milad geraten ins Visier der Hetze. Und dann brennt das Sportheim und Mats ist klar – es geht nicht nur um ihre Liebe, sondern darum, Haltung zu zeigen.
„Mats & Milad“ erzählt eine mitreißende Geschichte über Identität, das erste Verliebtsein und über den Mut, für das Richtige einzustehen, wenn es drauf ankommt.

„Warum muss dieser Roman auf die GRIPS-Bühne?“
Dazu Winfried Tobias und Thomas Keller vom Künstlerischen Leitungsteam:
Winfried Tobias: Eva Rottmann schreibt tolle Theaterstücke für junges Publikum und auch Kinderbücher, „Mats & Milad“ erschien 2021 und war ihr erster Jugendroman. Wir konnten für die Dramatisierung und für die Regie wieder Karsten Dahlem gewinnen, der für das GRIPS schon seinen Kurzfilm PRINCESS dramatisiert und großartig umgesetzt hat.
Politische Haltungen, Ausgrenzungen und Vorurteile spielen in das Leben von Mats, der zugezogenen Berlinerin, und Milad, Sohn libanesischstämmiger Eltern, hinein. Neben deren furioser und gleichzeitig fragiler Liebesgeschichte, in die wir reingezogen werden, zeigt die Autorin wie unter einem Brennglas, wie und warum sich Mobbing-Geschichten sowie rechte, rassistische Ressentiments herausbilden, und wie Situationen hochkochen, sich verselbständigen und eskalieren können. Viele der Entwicklungen sind nicht nur dem Umstand geschuldet, dass es in dem Ort eine rechte Szene gibt. Es geht hier generell um die Frage nach dem Platz in dieser Welt, wem bin ich wichtig, wem bedeute ich was, welche Zukunft habe ich in Anbetracht miserabler Zukunftsaussichten?
Thomas Keller: Die Frage, die sich dahinter verbirgt, ist die Frage des Selbstbildes und des Selbsterlebens, wer bin ich für andere? Also ein Selbstgefühl, was letztendlich in die Identifikation und in die Selbstsicherheit führt, ein Gefühl, das in unserer Gesellschaft gerade massiv am Erodieren ist.
Diese Verführung des rechtens Gedankengutes, das funktioniert v.a. um die Zugehörigkeit und die Frage, wer bin ich und wer bin ich nicht. Wenn die Frage, ob ich eingebettet bin und ob mir etwas Sicherheit gibt, wenn das bröckelt und sich nicht mehr erschließt, dann ist das das Einfallstor für die Rechtspopulisten, die müssen nur noch ernten gehen.
Vita Eva Rottmann
Eva Rottmann studierte an der Zürcher Hochschule der Künste Darstellende Künste und Film. Ihr erstes Theaterstück »Eidechsen und Salamander« wurde 2008 mit dem Kathrin-Türks-Preis des Landestheaters Burghofbühne Dinslaken ausgezeichnet und 2009 mit dem deutsch-niederländischen Jugenddramatikerpreis Kaas und Kappes. 2008/09 nahm Eva Rottmann am Stück Labor Basel teil und erhielt den Publikumspreis für ihr Stück »Skills«, das 2012 auch mit dem Jugendtheaterpreis Baden-Württemberg ausgezeichnet wurde. Es folgten weitere Stückaufträge u.a. für das Schauspielhaus Zürich. 2015 erschien ihr erstes Kinderbuch »Goldkind« im Verlag mixtvision. Ihr Stück »Die Eisbärin« war 2019 für den Mülheimer KinderStückePreis nominiert. Ihr erster Jugendroman »Mats & Milad oder: Nachrichten vom Arsch der Welt« erhielt 2022 das Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Es erschien das Bilderbuch »Die Prinzessin, die auszog, den Prinzen zu retten« und der Jugendroman »Kurz vor dem Rand«, mit dem sie 2024 für den Schweizer Jugendbuchpreis nominiert ist.
Vita Karsten Dahlem
Karsten Dahlem ist Schauspieler, Drehbuchautor, Dozent, Theater- und Filmregisseur. Er spielte u. a. an der Schaubühne, am Maxim Gorki, dem Volkstheater München und Wien. Als Theaterregisseur inszenierte er u.a. am Deutschen Theater Berlin, am Schauspielhaus Stuttgart, an den Theatern Essen, Bremen, Oberhausen oder am Düsseldorfer Schauspielhaus. Seine Arbeiten sind mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Seine Kinodrehbücher »Freier Fall« und »Fremde Tochter« wurden international bekannt. Dahlem debütierte als Filmregisseur mit PRINCESS und war für den Max-Ophüls-Kurzfilmpreis nominiert. Der Film lief auf internationalen Festivals. Sein Langfilmregiedebüt DIE GESCHICHTE EINER FAMILIE (SWR/WDR), erhielt den Hofer-Goldpreis für die beste Regie. Seine Hauptdarstellerin Anna Maria Mühe den bayerischen Filmpreis. Dahlem brachte seinen Filmstoff PRINCESS am GRIPS auf die Theaterbühne. Gerade entsteht der Kinolangfilm dazu.
Team
Regie: Karsten Dahlem
Bühne und Kostüm: Justyna Jaszczuk
Musik & Komposition: Matthias Erhard
Dramaturgie: Tobias Diekmann
Theaterpädagogik: Gitanjali Schmelcher
Mit: N.N., Marcel Herrnsdorf, René Schubert, Nils Thalmann, Lisa Klabunde, Katja Hiller
