Rückblick: Kinderclub „Rakete Jetzt!“ 2025|26
Wir genießen unsere Zeit, die letzten Monate, das Jetzt, die Sekunden die noch bleiben, bis das Licht ausgeht und Unsere Zeit vorbei ist.
Auszug aus dem Stücktext „Unsere Zeit“
„Wir“, das ist das „Rakete-Jetzt“-Ensemble: Menschen, die gerne gemeinsam singen, tanzen, spielen und sich über Applaus freuen. Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungswerten, aber mit gemeinsamen Interessen, die sie im Miteinander ausleben wollen. Kinder zwischen acht und zwölf Jahren und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung, die in der Spielzeit 2025/26 im Rahmen des Theater-Tanz-Begegnungsprojekts Rakete Jetzt gemeinsam zum Thema Zeit gearbeitet haben.

Begleitet wurde das Ensemble vom Projektteam, welches sich aus der Projektleitung Anna, der Co-Leitung Fina, der pädagogischen Assistenz Oscar, der Bühnen- und Kostümbildnerin Noëmie, der Praktikantin Sophia, sowie der Hospitanz Atalay zusammenstellte.
Über fünf Monate hinweg trafen sich alle Beteiligten zu wöchentlichen Proben, ausgewählten Samstagsproben und Intensivprobenwochen. Gemeinsam wurde zum Thema Zeit geforscht: Vergeht die Zeit für alle Lebewesen gleich? Wann ist gleich? Wofür brauchst du Zeit? Wer oder was schränkt deine Zeit ein? Was soll in deiner Zeit passieren? Was in unserer gemeinsamen Zeit? Aus diesen Überlegungen entstand das Stück „Unsere Zeit“, das im Grips Podewil aufgeführt wurde und es einige Monate später erneut auf die Bühne schaffte.
Doch über die Aufführungen hinaus blieb vor allem der gemeinsame Prozess präsent: Das gemeinsame Suchen, Ausprobieren und Zusammenarbeiten. Es etablierten sich Probenstrukturen, die maßgeblich zu Sicherheit während der Proben beitrugen. Sogenannte Probenrituale, wie eine am Anfang jeder Probe herumgegebene „Stille Post“ oder der Abschlussrakete rahmten eine jede Probe ein und schufen für alle Beteiligten ein sicheres Grundgerüst.
Zeit spielte dabei nicht nur als Thema des Stücks eine Rolle, sondern auch im Miteinander. Es braucht Zeit, um sich kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und als Gruppe zusammenzuwachsen. Gemeinsam mit dem Projektteam und uns, den Teilnehmenden, etablierte sich eine Arbeitsweise, die Rücksicht nimmt, Bedarfe mitdenkt und diese selbstverständlich in den Probenalltag miteinbezieht und gleichzeitig konstant überprüft, was die Gruppe zusätzlich braucht.

Gerade das ist gesellschaftlich keine Selbstverständlichkeit. Zum einen, weil es im Alltag kaum Berührungspunkte zwischen Grundschulkindern und jungen Erwachsenen gibt, zum anderen aber auch, weil unsere Gesellschaft durch das Aufrechterhalten von „Sonderwelten“ strukturell separiert. Die Trennung von Regel- und Förderschulen oder Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, in denen Arbeit häufig unterhalb des Mindestlohns entlohnt wird, sind nur ein paar Beispiele für diese Segregation.
Dass gemeinsame Räume wie dieser noch immer etwas Besonderes sind, zeigt zugleich, wie weit die Forderungen der 2009 ratifizierten UN-Behindertenrechtskonvention von der gesellschaftlichen Realität häufig entfernt bleibt.
Der Probenmikrokosmos von „Rakete Jetzt!“ zeigte dahingegen, dass es möglich ist, diese Strukturen zu durchbrechen. Es geht nicht darum, wer welche Behinderung hat oder was jemand kann oder nicht kann. Vielmehr geht es darum, was alle verbindet – in diesem Fall das gemeinsame Theaterspielen. Die Bedarfe aller Teilnehmer*innen werden kommuniziert, werden in den Probenvorbereitungen und Abläufen kontinuierlich berücksichtigt, stehen jedoch nicht im Zentrum. Vielmehr steht jede*r Einzelne*r und das, was er*sie zu erzählen hat, im Fokus. Unterschiede werden dabei nicht als Defizit, sondern als Stärke verstanden, die künstlerisch ausgedrückt werden können.
Die Autorin Elisa Wenzel war Teilnehmerin der „Rakete jetzt“ in der Spielzeit 25/26 und hat aus dieser Erfahrung heraus ihre Bachelorarbeit an der Universität Leipzig mit dem Thema „Inklusive Probenprozesse“ geschrieben. Ab September wird sie in Helsinki Theaterpädagogik studieren.

Mit 15 Teilnehmenden zwischen 8 und 28 Jahren: Amelie, Anna, Anna, Béla, Brocki, Elisa, Fanny, Fay, Julika, Lena, Maya, Pari, Sami, Xavi, Yusuf
Projektleitung Anna-Sophia Fritsche
Co-Leitung Josephina Zarbock
Bühne und Kostüm Noëmie Cassagnau
Pädagogische Assistenz und Video Oscar Pfeil
Grafik und Projektion Sophia Eckermann
Hospitanz Atalay Dogan
Ein Projekt der GRIPS Werke in Kooperation mit dem GRIPS Theater, gefördert von Aktion Mensch


