„Man braucht viel Herz, um niemals aufzugeben“

Zu Beginn der Proben besuchte das Produktionsteam von DAS HERZ EINES BOXERS den Verein „SPORTS for MORE“ im Gym „Altes Waschhaus“ Nähe Moritzplatz in Kreuzberg. Aus dem Profil (sports-for-more.de):  „Seit 2017 kombiniert SPORTS for MORE e.V. erfolgreich sportorientierte Jugendsozialarbeit mit Boxtraining. Dabei stehen die jugendlichen Sportler*innen stets im Mittelpunkt unserer Arbeit. Wir bieten einen geschützten und sicheren Ort. Dort können sich die Teilnehmer*innen sportlich und persönlich weiterentwickeln, Gemeinschaft erleben und sie selbst sein. Bei uns finden sie bei Bedarf Hilfsangebote, Unterstützung, Nachhilfe, Orientierung und Gesprächsmöglichkeiten. Beim Übergang von der Schule in den Beruf stehen wir unterstützend zur Seite. (…) Unsere Werte Möglichkeiten, Orientierung, Respekt und Erfolg stehen im Zentrum unseres Handelns, begleitet von sehr viel Spaß, Freude, Gemeinschaftsgefühl, Empowerment, (Fehler)Toleranz, Anerkennung, Vertrauen und Freiräumen.“ 

Menschen sehen Boxer*innen oft als „Waffe“. Aber die Jugendlichen, die bei uns trainieren, werden durch den Sport eher ruhiger und selbstbewusster. Wer sich draußen prügelt, bekommt bei uns kein Training mehr. Das ist die klare Ansage.

Ich habe mit dem Boxen angefangen, damit ich meine jüngeren Geschwister im Ernstfall beschützen könnte. Heute suche ich eher meinen inneren Frieden beim Boxen. Es holt mich runter und erdet mich.

Wenn du weißt, dass du‘s kannst, dass du’s nicht nötig hast, zuzuschlagen, gehst du anders mit solchen Situationen um. Boxsport holt dich runter und erdet dich. Wenn es draußen auf der Straße Konflikte gibt, gehe ich denen eher aus dem Weg seit ich boxe. Ich muss niemanden mehr etwas beweisen. 

Boxen beruhigt mich eher, als dass es mich aggressiv macht.

Die besten Boxer sind die, die dranbleiben und die die meisten Fehler machen und daraus am meisten lernen. Boxen ist eine der wenigen Sportarten, in denen harte Arbeit Talent schlagen kann. Ausdauer ist das Wichtigste.

Manche trainieren fünfmal die Woche und fliegen trotzdem in der ersten Runde eines Wettkampfs raus. Danach weiterzumachen, braucht enorm viel Willen. Es ist krass zu verlieren. Und es ist krass weiterzumachen.

Der wichtigste Aspekt im Boxsport ist meiner Meinung nach die Mentalität. Wenn du mit dem Kopf nicht dabei bist, kannst du nicht trainieren. Man muss immer fokussiert sein, auch wenn man getroffen wird – man braucht viel Herz, um niemals aufzugeben. 

Du darfst nicht sauer werden! In dem Moment, in dem der Gegner zum Feind wird, wird es ganz schwierig, weil dann die Emotionen übernehmen. Dann ist der Kampf oft verloren. Du musst lernen, mit Frust umzugehen und trotzdem kontrolliert zu bleiben.

Beim Sparring darfst du kein Ego haben. Du lernst von deiner Trainingspartnerin oder deinem Trainingspartner. Im Kampf willst du Treffer landen – danach zollt man sich Respekt.

Hätte es die Mädchengruppe nicht gegeben, wäre ich nie zum Boxen gekommen.

Ich hätte mich in einer Anfängergruppe mit Jungen nicht getraut. Ich bin nur gekommen, wenn ich wusste, dass meine Trainerin da ist. Heute ist es mir egal, ob hundert Männer oder hundert Frauen in der Halle sind – ich weiß jetzt, was ich kann.

Die Energie in der Halle kann einschüchternd sein. Aber inzwischen trainieren viele Mädchen selbstverständlich auch in den gemischten Gruppen. Das macht es leichter für die, die neu dazukommen.

Seit 1996 ist Wettkampfboxen für Frauenboxen überhaupt erst legal. Als ich kurz danach angefangen habe, war ich oft die einzige Frau beim Training. Entweder du hast mitgemacht oder es gelassen. Heute kommen durch Fitnessboxen wieder mehr Frauen in den Sport.

Als mein Opa gestorben ist, habe ich mit dem Boxen aufgehört. Auch mein Studium habe ich abgebrochen. Erst als ich wieder trainiert habe, kam langsam das Gefühl zurück, weitermachen zu können. Ich habe gelernt, du weitermachen musst, egal wie viele Schläge du bekommst.

Boxen lehrt mich Disziplin.

Selbstbeherrschung. Irgendetwas läuft immer schief – im Leben und im Boxen. Entweder du schmeißt komplett hin oder du arbeitetest daran. Du musst herausfinden, was du willst und woran du arbeiten willst. Selbst wenn du nicht die allergrößten Ziele hast, verfolgst du ja irgendwas. Du kannst aufgeben oder daran arbeiten. Boxen hilft mir, Prioritäten zu setzen.

Lösungsorientiert an Dinge herangehen. Nicht sich selbst zu betrauern, wenn etwas nicht funktioniert. Vieles ist nicht in meinen Händen, dann muss ich herausfinden, wie ich damit umgehen. Und es hilf mir Prioritäten zu setzen, zum Beispiel, wie ich Training und Ausbildung parallel schaffe.

Umgang mit Unerwartetem: Vieles liegt nicht in meiner Hand. Aber ich kann entscheiden, wie ich darauf reagiere.

Beim Training und bei Wettkämpfen begegnet man sich mit Respekt, denn die andere Person hat genauso hart gearbeitet wie du. 

Hier im Verein sind wir keine Mannschaft, aber haben eine total gute Bindung, weil wir gönnen einander einfach alles.

Beim Boxen ist mir aufgefallen, dass wir einander viel häufiger Komplimente geben: „Du bist besser als ich“, „Nein, nein, auf keinen Fall, du bist besser als ich. Alle arbeiten an ihren eigenen Grenzen. Deshalb geben wir uns eher Komplimente, statt uns ständig miteinander zu messen.

Das Gemeinschaftsgefühl ist wirklich enorm Wir pushen uns alle gegenseitig, das ist sehr motivierend. Eigentlich ist es ein süßer Sport.

Vielen Dank an alle Beteiligten!