LINIE 1 – Eine kurze Chronik der Höhepunkte

LINIE 1 ist nicht nur der größte Erfolg, den ein deutsches Musical je hatte; es war über Jahre das meistinszenierte, meistaufgeführte und meistbesuchte Theaterstück im deutschsprachigen Theaterraum und machte Volker Ludwig in den 90er Jahren zum meistgespielten Autor nach Shakespeare, Brecht und Molière.

Von 1986 – 88 gastierte das GRIPS-Ensemble mit seiner LINIE 1-Inszenierung (z.T. in englischer Sprache) in Dublin, London, Turin, Wien, Paris, Amsterdam, Jerusalem, New York, Brisbane und Melbourne.

1987 bekam Volker Ludwig für LINIE 1 den MÜLHEIMER DRAMATIKERPREIS für das beste deutschsprachige Theaterstück.

1988 wurden die Berliner Filmfestspiele mit Reinhard Hauffs LINIE 1-Verfilmung eröffnet.

Im selben Jahr kam es zu einem sensationellen Gastspiel in der DDR (Karl-Marx-Stadt, Dresden, Halle), 1989 folgten Kopenhagen, Göteborg und Stockholm, 1991 Moskau, 1994 Prag, 2001 Bombay und Pune. 

Anlässlich der 2000. Vorstellung der koreanischen LINIE 1-Adaption „SEOUL LINE 1“ wurde das GRIPS Theater im November 2003 nach Seoul eingeladen und zeigte vor einem begeisterten koreanischen Publikum sein deutschsprachiges Original (mit koreanischer Übertitelung).

Julia Blankenburg, René Hofschneider, Hansi Jochmann, Dieter Landuris, Thomas Nicolai, Janette Rauch, Christiane Reiff, Mathias Schlung, Ilona Schulz, Arndt Schwering-Sohnrey, Nadine Warmuth und Petra Zieser gehören zu den aus Film und Funk bekanntesten (ehemaligen) LINIE 1 – Schauspielern. Axel Prahl war zwar von 1993-99 Mitglied im GRIPS-Ensemble, aber nie in LINIE 1 besetzt – bis auf ein einziges Mal, als er als ‚Märchenprinz‘ einspringen musste. Aber schon bevor er ans GRIPS kam, spielte er den ‚Kleister‘ am Landestheater Schleswig.

Die Bemühungen, LINIE 1 immer wieder den veränderten Zeitumständen anzupassen, warfen viele Schwierigkeiten auf. Die Mauer musste gestrichen werden, die Sozialdemokratin durfte nicht mehr „in den Osten“ zu ihrer Schwester fahren, mit „Haste mal nen Euro?“ konnte sich niemand so recht anfreunden. Vom „Berlin-Lied“ entstanden im Laufe der Zeit vier Varianten, die Erweiterung der U-Bahn-Linie-1 zur Warschauer Straße hin wurde dagegen ignoriert. Seit September 2004 wird LINIE 1 wieder in der Originalfasssung von 1986 gespielt. Hier ist Berlin noch die Stadt, in der in allen Richtungen Osten ist und die Fahrkarte in D-Mark bezahlt wird.

2008 wurde eine lange erwartete DVD mit einer Live-Aufzeichnung veröffentlicht

Seit der Uraufführung von LINIE 1 wurde alles, was Volker Ludwig geschrieben hat, an diesem Erfolg gemessen und die Frage gestellt, wann denn endlich die LINIE 2 käme. Um den Beweis anzutreten, dass es eine LINIE 2 gar nicht geben kann, hat Volker Ludwig zum 40-jährigen GRIPS-Jubiläum im Herbst 2009 LINIE 2 geschrieben und dem Stücktitel den Zusatz „Der Alptraum“ gegeben. Obwohl nur eine Szene in der U 2 spielt, war das Publikum nicht enttäuscht: „LINIE 2 – Der Alptraum“ wurde im Mai mit dem FRIEDRICH-LUFT-PREIS als beste Berliner Aufführung 2009 ausgezeichnet, 88 Mal wurde das Stück vor ausverkauften Rängen gespielt.

Am 30. April 2011 wurde im GRIPS Theater das 25-jährige LINIE-1-Jubiläum gefeiert und am 4. Mai die 1.500. Vorstellung! Eigens hierfür wurde das „LINIE-1-Fanbook“ mit vielen Anekdoten, Fakten, Einsichten und Einblicken veröffentlicht.

2013 gab es eine der bewegendsten Vorstellungen von LINIE 1 am Hansaplatz: Die Berliner Stadtmission hatte 360 Obdachlose und Helfer der Bahnhofsmission vom Bahnhof Zoo ins GRIPS zu LINIE 1 eingeladen, im Anschluss wurden alle Gäste auf dem Hansaplatz an festlichen gedeckten Tischen zum Essen eingeladen. Die Presse fasste den Zauber dieses Nachmittags so zusammen: „Wenn es an diesem Tag einen Platz gab, an dem sich Jesus draußen in der Kälte an Biertische gesetzt hätte, so war es der Vorplatz vom Grips-Theater im Hansaviertel. Als Beistand für die Menschen ohne Heimat und zum Dank für die Helfer. Ein Zauber lag über der 1607. Vorstellung des Kultstückes „Linie 1“, draußen – und drinnen, im Warmen.“ (Tagesspiegel, 10.11.13)

Seit 1. Oktober 2015 gibt es die Figurentheater-Version von LINIE 1 am Lübecker Kobalt Figurentheater, gespielt von vier Spielern und 41 Figuren! 

Lange gewünscht, 2015 endlich umgesetzt: Die englische Übertitelung von LINIE 1 im GRIPS. Der Renner bei den Berlin-Touristen!

Die Bilanz zum 30-jährigen Jubiläum 2016 lautete: Bis zum 30. April 2016 hat das GRIPS Theater 1.723 Vorstellungen von LINIE 1 gespielt, ca. 620.000 Zuschauer haben bis dann allein die Berliner Inszenierung gesehen, weit mehr als drei Millionen in anderen Theatern. LINIE 1 wurde bis heute von mehr als 150 deutschsprachigen Theatern nachgespielt, außerdem in Kanada, Finnland, Brasilien, Griechenland, Spanien, Italien, Dänemark, Spanien, Südkorea, Hongkong, Indien, den Niederlanden, Litauen, Schweden, Namibia, Nigeria, Russland und im Jemen nachinszeniert. In Barcelona („Linea Roja“), Hong Kong („Island Line“), Kalkutta („Chord Line“), Seoul („Seoul Line 1“) und Vilnius („Regel Nr. 1: von Vilnius träumen verboten“), Windhoek („Friends 4Eva“), Aden („Mak Nazl“) und Maputo wurde das Stück auf die jeweiligen Städte übertragen, die Originalmusik (bis auf Hong Kong) beibehalten. [ ]

Am 5.5.2016 war die Premiere einer größeren Umbesetzung: Fünf neue Schauspielerinnen und Schauspieler, die ab der Spielzeit 2016/17 offiziell im GRIPS beginnen werden, übernehmen ab Mai schon LINIE 1: Amelie Köder („Maria“) | Frederic Phung („Junge im Mantel“ u.a.) | Patrik Cieslik („Bambi“ u.a.“) | Esther Agricola („Maria“)  Davide Brizzi („Johnnie“ u.a.)

Zum 50-jährigen GRIPS-Jubiläum 2019 hat Kim Min’Gi die SEOUL LINE 1 wieder aufgenommen – dieses Mal mit einem versöhnlicheren Stimmung dank des „Tauwetters“ zwischen Nord- und Südkorea. Auch die Instrumentierung ist ungewöhnlich, statt des für den Sound von LINIE 1 sehr typischen Saxophons gibt es in der neuen Fassung eine Geige. Die Berliner*innen konnten dies Fassung live während der Jubiläumsfestwochen im Juni 2019 erleben.

Viele Anekdoten, Zahlen und Fakten können aus 34 Jahren LINIE 1 berichtet werden, aber es gibt einen heimlichen Star seit der Uraufführung, dem man nicht gebührend Respekt zollen kann: Dietrich Lehmann, der im Sommer 2020 80 Jahre alt wird, spielt seit der Uraufführung durchgehend bis heute u.a. den „Hermann“ und seine „Wilmersdorfer Witwe Lotti“! Er hat keine einzige Vorstellung gefehlt! 

Auch die Rockband NO TICKET – Thomas Keller (sax.), Michael Brandt (git.), Matthias Witting (keyb., synt.), Axel Kottmann (bass) und George Kranz (dms.) – sind auch weiterhin dabei und rocken die Bühne.

Am 12. September 2019 lief die 1.900. Vorstellung im GRIPS Theater! 

Das GRIPS Theater reagierte als eines der ersten Theater auf die Corona-Pandemie, indem es noch vor der offiziellen Schließung der Theater Mitte März 2020 aus Verantwortung gegenüber seinem Publikum ein ausverkauftes LINIE-1- Set mit vier Vorstellungen ausfallen ließ: Am 11. März 2020 wäre die 1.934. Vorstellung gewesen.

Selbst in den kurzen Momenten der Öffnung während der folgenden Pandemie blieb LINIE 1 weiterhin im Depot. Ein Rockmusical mit 11 singenden Schauspielenden im direkten Kontakt zum Publikum, das war nicht an die Corona-Bedingungen anzupassen. Und so kam es, was niemand sich vorstellen konnte: 20 Monate Zwangspause für LINIE 1.

Am 11. November 2021 ist – nach 20 Monaten coronabedingter Pause – die Wiederaufnahme von LINIE 1. Das Ensemble ist PCR-getestet, es werden weiterhin die Plätze nur mit Abstand vergeben und es gilt die 3G-Regel. Eigens für die Wiederaufnahme hat Volker Ludwig einen Prolog geschrieben: „Herzlich willkommen im GRIPS Theater! Was Sie heute Abend sehen, ist eine besondere Rarität: Die „Linie 1“ in ihrer 35 Jahre alten Original-Fassung! Westberlin ist zugemauert, die westliche Welt endet am Schlesischen Tor und das Rauchen in den U-Bahnen ist gerade verboten worden. Auf der Bühne ist alles wie damals, bis auf ein paar Kostüme und ein paar Striche, weil die Premiere 1986 zu lang war. Sie dauerte 4 Stunden. Aber der Text ist der alte und gibt Wort für Wort wieder, wie die Berliner damals gefühlt und gedacht, geheult und gelacht, geflucht und geträumt haben. Tauchen sie also ein in die Zeit der Mauerstadt, und Sie werden mehr und mehr das Berlin und die Berliner von heute wiederfinden. Viel Spaß!“